Wiedereröffnung Freibad ObergrombachFreibad-Segnung mit Weihwasser aus dem Petersdom
Bruchsal-Obergrombach. Badeunfälle dürfte es
eigentlich im sanierten Obergrombacher Freibad in Zukunft nicht mehr
geben, da das Bad unter einem besonderen (himmlischen)Schutz steht:
bei der Eröffnung mit Einsegnung durch Pfarrer Waldemar Janzer
(Katholische Kirche) und Dr. Andreas Wicke (Evangelische Kirche)
wurde Original-Weihwasser aus dem Petersdom benutzt. Mitgebracht
hatte das Wasser die aktive Kapelle des Musikvereins „Eintracht“
Obergrombach, der in der Nacht vor der Wiedereröffnung von einem
Besuch in Fabriano/Italien zurückgekehrt war und sich bei einer
Papst-Audienz das kostbare Nass besorgte.
11 Monate Bauzeit, 1,25 Mio. Euro Gesamt-kosten und über
1.200 unentgeltliche Arbeitsstunden des Fördervereins Schwimmbad
Obergrombach – und das Ergebnis kann sich wahrhaftig sehen
lassen: Oberbürgermeister Bernd Doll konnte den Obergrombachern
ein kleines Schmuckstück übergeben. „Dies ist ein
guter Tag für Obergrombach!“ titulierte Bernd Doll bei
seiner Eröffnungsrede. Das scheidende Bruchsaler Stadtoberhaupt
verbinden persönliche Erlebnisse mit dem Bad, hat er doch hier
in seiner Jugend die Schwimmkunst erlernt. Und nicht zuletzt seinem
persönlichen Einsatz war es zu verdanken, dass im Herbst 2007
eine erster Entwurf für eine Realisierungsmaßnahme
erstellt wurde und im Frühjahr 2008 der Bauantrag gestellt
werden konnte. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist
es nötig, eine Kosten/Nutzen-Analyse für ein derartiges
Projekt zu erarbeiten“, sagte Bernd Doll. Und diese fiel nach
Abwägung der Investition zum gesellschaftlichen Leben in
Obergrombach positiv für den Stadtteil am Oberlauf des Grombach
aus. Abschließend bedankte sich Bernd Doll bei Geschäftsführer
Peter Solberg und Hartmut Koch (beide Stadt-werke Bruchsal), beim
Planungsbüro Fritz und besonders beim Förderverein
Obergrombach für die gute Zusammenarbeit bei der
Sanierungsmaßnahme.
Ortsvorsteher Jens Skibbe beglückwünschte Obergrombach
zum „am schönsten gelegensten und malerischsten Bad
Bruchsals“. Er wies darauf hin, dass mit der Übergabe des
Bads an die Öffentlichkeit ein zehnjähriger Kampf zu Ende
geht, den der Ortschaftsrat Obergrombach, aber insbesondere der
Förderverein Schwimmbad Obergrombach mit der rührigen
Vorsitzenden Michaela Taghi-Aghdiri an der Spitze geführt haben.
Michaela Taghi-Aghdiri erinnerte in einem Abriss an die
Entwicklung der Sanierungsmaßnahmen. Dass eine Sanierung
überhaupt zustande gekommen ist, ist nicht zuletzt verschiedenen
Verpflichtungen zuzuschreiben, zu denen sich der Förderverein
verpflichtet.
Zum einen hat der Förderverein von Anfang der
Sanierungsarbeiten an mitgeholfen und sich auch für die Zukunft
bereit erklärt, bei der Pflege der Außenanlagen
mitzuwirken.
Und auch finanziell hat sich der Förder-verein stark
engagiert: über 20.000 Euro wurden in eine Wasserrutsche
investiert.
Michaela Taghi-Aghdiri bedankte sich bei allen
Fördervereins-Mitgliedern, die bei der Sanierung mitgeholfen
haben, und insesondere für die Geld- und Sachspenden, die dem
Bad zugute kommen. Nicht zuletzt bedankte sich die
Fördervereins-Vorsitzende bei ortsansässigen Firmen und
Handwerkern, die ehrenamtlich an Bad und Gebäuden mitwirkten.
Umrahmt wurden Einweihungsfeier – zu dem sich trotz
ungewisser Witterung mehrere hundert Badefreunde eingefunden hatten -
und das anschließende Gartenfest von der aktiven Kapelle des
Musikvereins „Eintracht“ Obergrombach – nur wenige
Stunden zuvor aus Italien zurückgekehrt -, von der Guggenmusik
„Nashörner“ und der Gitarren-Formation „Vielsaitig“
umrahmt.
Geschichte und Sanierungsgeschichte des Obergrombacher Freibads
 Das Obergrombacher Freibad ist im
Jahr seiner Generalsanierung und Wiedereröffnung genau 55 Jahre
alt. Im
Jahr 1954 stellte der damalige Besitzer von Burg und Schloss
Obergrombach, Herr Berthold von Bohlen und Halbach, der Stadt
Obergrombach ein Gelände zum Bau eines Freibads zur Verfügung.
Einzige Bedingung der Familie Bohlen und Halbach war, einen eigenen
privaten Zugang zu dem Bad zu bekommen. Die Gemeinde Obergrombach
ließ sich diese Offerte nicht entgehen, und baute ein –
nach den damaligen Verhältnissen – modernes Freibad. Neben
der ebenfalls Anfang der 50iger Jahre errichteten „Festhalle“
besaß Obergrombach nun ein zweites Bauwerk, das den kleinen
Ort weit über die Umlandgemeinden heraushob. In den 60iger und
70iger Jahren waren an manchen Wochenend-Tagen 1.000 und mehr
Besucher in dem landschaftlich reizvoll gelegenen Bad. Mit der
Eingemeindung 1971 ging der Besitz des Bads auf die Stadt Bruchsal
über, die jedoch die Trägerschaft an die „Stadtwerke
Bruchsal“ weitergab.
Im Jahre 2001 schenkte Eckbert von Bohlen und Halbach – der
Sohn von Berthold von Bohlen und Halbach – schließlich
das Schwimmbad-Gelände endgültig der Stadt Bruchsal.
Schon vor der Jahrtausendwende hingen bedrohliche Schatten über
dem Bad: mangels Anpassung an neue Standards und Anforderungen drohte
die Schließung des Freibads. So wurde bereits 1999 der
„Förderverein Schwimmbad Obergrombach“ gegründet;
und seit Gründungsdatum steht Michaela Taghi-Aghdiri
ununterbrochen an der Spitze dieser Interessenvertretung. Schon früh
engagierte sich der Verein im Bereich der Pflege der Außenanlagen,
aber für eine totale technische Sanierung fehlten dem Verein
naturgemäß die Mittel.
Nachdem vor einigen Jahren die Totalsanierung des Heidelsheimer
Bads in Angriff genommen wurde, kam auch für Obergrombach
Bewegung in die Sache.
Nach Generalsanierungs-Beschluss durch den Stadtrat Bruchsal wurde
im Herbst 2007 ein erster Entwurf erstellt, im Frühjahr 2008
erfolgte der Bauantrag, und am 21. Juli 2008 begannen die
Sanierungsmaßnahmen.
Da Obergrombach in das Landessanierungsprogramm aufgenommen
wurde, konnten die Abbrucharbeiten des alten Bad-Gebäudes zu
100% sowie die Sanierungsarbeiten am Schwimm-Meister-Gebäude zu
einem Drittel mit insgesamt 60.000 Euro gefördert werden.
Von August bis Dezember wurden die Roh-Arbeiten ausgeführt.
Das alte Becken mit 290 Quadratmetern und bestehenden Wassertiefen
(Nichtschwimmerbecken 0,6-1,35 Meter; Schwimmerbereich 1,35-2,70
Meter) und das Schwimmmeister-Gebäude wurden beibehalten.
Ansonsten wurde so gut wie alles neu gebaut oder installiert. Das Bad
erhielt eine neue Folien-Verkleidung, eine Beckendurchströmung
sowie eine umlaufende, sogenannte „Wiesbadener Rinne“.
Wege-Rampen und ein behindertengerechter Einstieg sorgen für
einen barrierefreien Zugang für Kinderwagen und Rollstuhl. Das
Bad wurde mit zwei Startblöcken und einer neuen Rutsche
ausgestattet. In einem Neubau wurde im Untergeschoss die Bädertechnik
untergebracht; dazu beherbergt es Kiosk, Kasse, einen Lagerraum,
Umkleide- und Sanitärräume. Filtertechnik und der
Schwallbehälter für die Wasseraufbereitung wurden
vollständig erneuert. Ein neues Sonnendeck und eine Kioskebene
stehen den Badegästen ebenso zur Verfügung wie neu
angelegte Liegewiesen. Spielgeräte für Kinder – u.a.
ein „Matschplatz“ und ein Seilaufstieg – wurden der
Gelände-Topografie angepasst.
Insgesamt schlug die Sanierung mit 1,25 Mio. Euro zu Buche –
aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Das Obergrombacher
Freibad war ein Treffpunkt der Generationen – und wird es
wieder werden“, diese Aussage tätigte Oberbürgermeister
Bernd Doll aus tiefster Überzeugung bei der Einweihung des Bads.
K.K. / 7.6.2009
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte direkt an die im Artikel genannte Einrichtung .
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